|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Grenzfluktuationen:
Die Ästhetische Evolution der digitalen Skulptur
von
Christiane Paul
Digitale Skulptur -- Ein trojanisches
Pferd?
|
|
Der Begriff digitale oder virtuelle Skulptur (ganz abgesehen
von Terminologie wie Infoskulptur, Roboskulptur oder Teleskulptur) beschreibt
eine Vielzahl von Formen und Aktivitäten und kann leicht irreführend
für diejenigen sein, die mit der digitalen Welt nicht völlig
vertraut ist.
|
Sieht man sich das Spektrum der Arbeiten digitaler Bildhauer
an, wird einem die Hybridität der Kunstwerke sofort bewußt.
Während es sich bei einigen der Skulpturen um mithilfe von digitalen
Technologien kreierte reale Objekte handelt, existieren andere ausschließlich
im virtuellen Raum. Wie Robert Michael Smith
erklärt, hat man sich im allgemeinen darauf geeinigt, "daß
sich der Begriff digitale Skulptur auf mit Hilfe von CAD [Computer Aided
Design], CAM [Computer Aided Manufacturing], CNC-Fräsen [Computer
Numerical Control] oder Rapid-Prototyping-Prozeßen erzeugte Objekte
bezieht, während es sich bei virtueller Skulptur um Arbeiten handelt,
die im Cyberspace, in virtueller Realität oder als 3D-Animationen
existieren". Die Grenzen sind fließend, und Smith hat nichts dagegen,
wenn man ihn aufgrund seiner Experimente mit digitalen Technologien beim
Entwurf, der Produktion, Präsentation und Übertragung von Skulpturen
mit einem handlichen Kürzel als "digitaler Bildhauer" bezeichnet.
|
|
| Ich denke, daß es wichtig
ist, zwischen Arbeiten zu unterscheiden, die ausschließlich im
Computer existieren (wie in VRML or mit CAD erzeugte Formen) und ÜBER
den Bildschirm zugänglich sind, und Objekten, die mit von Computern
kontrollierter Produktionsmaschinerie (CNC, STL, LOM, FDM usw.)
hergestellt und ÜBER den Körper erfahren werden. - Dan
Collins |
|
|
Die meisten der Bildhauer haben nicht das Gefühl, daß das
Etikett "digital" von der Singularität der Kunst, die sie kreieren,
ablenkt -- denn, wie Keith Brown
es ausdrückt, "Kunst sollte in jedem Falle über ihr Medium
hinausgehen" -- und verstehen sich vorwiegend als Bildhauer ohne klassifizierende
Zusätze wie Computer, digital oder virtuell. Smith zum Beispiel
sieht sich als Schöpfer von Objekten, der zur experimentellen Entwicklung
von Konzepten und Inhalten virtuelle Skulpturen kreiert, und Michael
Rees betont, daß er jedes andere wertvolle Mittel, ob
es nun auf Computertechnologie basiert oder nicht, in Anspruch nehmen
würde, wenn er eine Möglichkeit darin sähe, mit seinen
Skulpturen Inhalte zu vermitteln.
|
| Ich habe nicht das Gefühl,
daß der Begriff digitale Skulptur an einem Punkt angelangt ist,
an dem seiner möglichen Anwendung Grenzen gesetzt sind -- die Vorstellungen,
die sich mit ihm verknüpfen, sind noch in der Entwicklung.
- Derrick Woodham |
Es kann gut sein, daß man bei den Künstlern
selbst auf weniger Verwirrung stößt als bei der Rezeption und
Kunstkritik. Das Etikett "elektronische Kunst" im allgemeinen führt
oft zu einer Begrenzung der Perspektive, die sich gelegentlich in Beiträgen
von Journalisten und Kritikern niederschlägt und auch bei Institutionen
zu Verwirrung führt, wie Christian
Lavigne betont.
|

Keith Brown |
|
|
Sein beim französischen Kultusministerium gestellter Antrag auf
Förderung einer Arbeit, bei der 3D und Rapid Prototyping verwendet
werden sollten, führte zu einer Diskussion mit einem freundlichen
Delegierten, der sich nicht sicher war, ob das Multimedia- oder das
Skulpturenkommittee zuständig sei. Lavigne lieferte überzeugende
Argumente dafür, daß er ein reales Objekt schaffen würde
-- seiner Meinung nach eine Skulptur. Er vergleicht das Etikett "digitale
Skulptur" mit einem trojanischen Pferd, das einem erlaubt, mit originalen
Arbeiten vor den Medien oder der Industrie zu paradieren, die die Tiefe
der Arbeit oft nicht unbedingt völlig verstehen. Hätte Einstein
mehr Ähnlichkeit mit Marilyn Monroe gehabt, wie Lavigne sich ausdrückt,
hätten Schulen und das Fernsehen mehr Interesse an der Physik gezeigt.
|
|
Die anderen Begriffe, die in diesem Forum kursieren, wie Cyberskulptur
u.a. rufen bei mir nicht mehr Enthusiasmus hervor. Sie erscheinen
mir alle zu weitschweifig... sie alle sind Ausdruck eines gewißen
"Schubladendenkens", das wir meines Erachtens vermeiden müssen.
Der große Vorteil von "digital" ist, daß das Wort für
die meisten Leute, die Zeitung lesen, fernsehen und im Netz surfen,
einigermaßen bedeutungsvolle Konnotationen hat. - Dan
Collins
|

Michael Rees |
Keith
Brown weist darauf hin, daß "Technik schon immer mit Kunst
verwechselt worden ist und dies wahrscheinlich auch so bleiben wird". Tendenzen,
Kunst mithilfe der Technologie, die der Künstler verwendet, zu bewerten
und definieren, kann diametral entgegengesetzte Effekte haben. Am einen
Ende der kritischen Skala wird digitale Kunst gelegentlich als "Technologie
auf dem Präsentierteller" abgetan, während am anderen die Gefahr
besteht, daß neue technologische Effekte mit einzigartiger künstlerischer
Vision verwechselt werden. |
|
Man mische unsere Leichtgläubigkeit mit der beständigen
Faszination, die technische Spielereien auf uns ausüben, und
man beginnt zu verstehen, warum so viele Leute sich fasziniert mit
der Psychoanalyse des letzten Schreis, der sich "Technologie" nennt,
beschäftigen. - Dan Collins
|
| Jeder Versuch, sich der Kunst über
die Technologie zu nähern, ist letztlich sinnlos, da es in der heutigen
technologisierten Informationsgesellschaft praktisch unmöglich geworden
ist, Technologie von unserer alltäglichen Umgebung zu trennen -- "uns
steht ein reibungsloses System für Abfrage und Verteilung, Display
und Austausch von Informationen zur Verfügung", betont Dan
Collins. |

Christian Lavigne |
| Sowohl Smith als auch Collins bestätigen,
daß die Resonanz auf ihre Verwendung digitaler Technologien vorwiegend
positiv ist. Die Technologie hat das Potential, das Territorium der Skulptur
für einen Dialog mit anderen künstlerischen Disziplinen zu öffnen
und eine interdisziplinäre Diskussion außerhalb des Kunstbereichs
anzuregen. |
| Michael
Rees' Erfahrungen haben dazu geführt, daß er eher inhaltliche
Fragen bezüglich seiner Skulpturen betont als auf die revolutionären
Aspekte ihres Produktionsprozeßes (so sehr sie ihn auch faszinieren
mögen) einzugehen, und Derrick Woodham
meint, daß die Rezeption der Technologie auf Seiten seiner Kollegen
oft positiver Modifizierung bedarf. Er bemüht sich darum, ein konstruktiveres
Engagement zu fördern, indem er ihnen seine Unterstützung bei
der Beschäftigung mit digitalen Technologien anbietet. |

Dan Collins |
|
Es kümmert mich wirklich nicht, daß man meine neueren Arbeiten
anhand der Technologie, die ich verwende, definiert und zum Teil sogar
kategorisiert. Letztendlich ist das, was zählt, doch, was man
mit der Technologie erreicht. In dieser Hinsicht unterscheidet sie
sich nicht von anderen Mitteln, mithilfe derer man Kunst einordnet,
bewertet oder definiert. - Keith Brown
|

Robert Michael Smith |
Keiner der Künstler hat jedoch
das Gefühl, daß die Rezeption seiner Kunst vorwiegend durch den
Technologiefaktor bestimmt wird. Sie alle sind nicht über das digitale
Medium zur Bildhauerei gekommen, und ihre Arbeiten außerhalb des technologischen
Bereichs haben bereits kritische Beachtung unabhängig vom Referenzrahmen
der digitalen oder virtuellen Skulptur gefunden. |
|
  
|
|
Home
|
About ISC |
ISC Conferences |
Sculpture Magazine
Portfolio |
Exhibitions
| Libraries
|
Opportunities
| Discussion
Forum
|
|