|
|
|
|
|
|
|
|
|
Grenzfluktuationen:
Die Ästhetische Evolution der digitalen Skulptur
von
Christiane Paul
Technologische Entwicklungen, Zugriff
und Verfügbarkeit
|
Für alle der Bildhauer ist die Möglichkeit,
Skulpturen zu entwerfen und produzieren, die mit traditionellen Mitteln
nicht geschaffen werden könnten, ein Hauptgrund für die Verwendung
digitaler Technologien. Das Ausmaß zu erforschen, in dem Computertechnologien
neue Wege zum Verständnis und zur Produktion von Skulpturen erschließen,
ist für Keith Brown ein bedeutender
Faktor seiner Arbeit. Wie Dan Collins
bemerkt, ist die Technologie zu kostbar, zeitaufwenig und lernintensiv,
als daß man etwas Geringeres erwarten könnte als die Kreation
einer Arbeit, die nicht auf andere Art und Weise verwirklicht werden könnte.
|
|
Was das ästhetische Wachstum betrifft, fühlt es sich an,
als ob man vom Roller ins Cockpit eines Überschalljägers
umgestiegen ist, der Mach 10 erreicht. Ich arbeite mich mit großer
Geschwindingkeit durch zahllose Stufen neuer Konzepten hindurch, um
eine Vielzahl von Formen zu schaffen, für deren Konzeption ich
ansonsten überhaupt keine Zeit gehabt hätte. - Robert
Michael Smith
|
|
|
Die technologischen Entwicklungen, die in den letzten
Jahren stattgefunden haben, haben es ermöglicht, die Art und Weise
und den Grad der Verzerrung, dem jedes gegebene Objekt oder jeder Datensatz
unterworfen ist, zu kontrollieren, wie Dan
Collins zusammenfassend sagt. Maßstabsänderungen, Proportionsverschiebungen,
exzentrische Perspektiven, Morphing-Prozeße und 3D-Montage sind
einige der Techniken, die er in seiner Arbeit erforscht. Für Keith
Brown sind neue Entwicklungen in der Technik der Schichtmanufaktur
und die Einführung einer größeren Materialvielfalt von
besonderer Wichtigkeit.
|
|
Die "kollektive Realität", die Active Worlds schafft,
konstituiert für Derrick Woodham eine technologische Entwicklung,
die seine Arbeit tiefgreifend beinflußen wird. Er ist noch dabei,
die Bruchstücke seiner Erfahrung mit DAAP zusammenzutragen und auszutarieren,
inwieweit er sich mit den gegenwärtigen und zukünftigen Möglichkeiten
der Software beschäftigen will, und hat das Gefühl, daß
ihm der nötige Abstand zu einer objektiven Bewertung noch fehlt.
|
|
|
Die Verfügbarkeit technologischer Mittel hat sich
im Laufe der letzten Jahre zweifelsohne erhöht. Es gibt heute wesentlich
mehr Firmen, die Datenerfassungs- und Output-Geräte bauen, was zu
einer Kostensenkung geführt hat, und es hat beständig Verbesserungen
und einen Preisabbau bei Hardware und allen CAD/3D-Animationsprogrammen
gegeben.
|
Dan Collins und
seine Kollegen haben 1994 damit begonnen, ein voll funktionsfähiges
Labor an der Arizona State University aufzubauen, und obwohl PRISM nun
als ein mit neuesten Computern, Laserscannern und diversen Output-Geräten
ausgerüsteter Prototyp funkioniert, hat er das Gefühl, daß
er gerade erst am Anfang steht. Keith Brown
sieht, was die Kosten betrifft, ebenfalls einen weitgehend demokratisierenden
Effekt. Er brennt darauf, den ersten erschwinglichen 3D-Drucker benutzen
zu können (der angeblich in 2 Jahren erhältlich sein wird),
und Robert Smith ist überzeugt,
daß der Tag des 3D-Kopiergeschäfts kommen wird. Visualisierungstechnologien,
die früher einen Wert von Millionen von Dollar hatten, sind heute
für jeden digitalen Bildhauer zu einem Preis unter tausend Dollar
zu haben.
|

Dan Collins |
Obwohl es, laut Smith, wesentliche Fortschritte bei den
Rapid-Prototyping-Prozessen gegeben hat, bleibt die Verfügbarkeit
der Technologie aufgrund der hohen Produktionskosten immer noch ein großes
Problem -- eine Erfahrung, die von Michael
Rees geteilt wird, der erklärt, daß ihm der Zugriff
auf die Technologie nur unter größten Bemühungen von seiner
Seite möglich war. Er hat das Gefühl, daß die Künstler
in dieser Hinsicht meistens übergangen werden.
|

Robert Michael Smith |
Verfügbarkeit und Zugang sind
nicht nur eine Frage von technologischen Entwicklungen und Kostensenkung,
sondern erfordern auch ein kulturelles Klima, daß Zugriffswege erschließt.
Bis jetzt gibt es noch keine Kunsthochschulen, die sich der Disziplin digitale/virtuelle
Skulptur widmen und Labors wie PRISM sind immer noch eine Seltenheit. Christian
Lavigne ist der Meinung, daß die Transdisziplinarität,
die die Tätigkeit eines digitalen Bildhauers kennzeichnet, für
Systeme, die daran gewöhnt sind, Individuen und Genres zu trennen,
irritierend sein kann. |
| Seit 1988 setzt er sich für
die Gründung eines internationalen Forschungs- und Lernzentrums für
Bildhauerei (Centre International de Recherche et d'Enseignement de la Sculpture
-- Projekt CIRES) ein, das Bildhauern, Architekten und Designern ermöglichen
soll, neue Techniken zu lernen, Material zu erproben und Arbeiten zu produzieren,
die für die neuen Objekttechnologien relevant sind. |
| Zugang zur Technologie und Integration
in den Kunstmarkt sind für digitale Bildhauer immer noch Hauptprobleme.
Lavigne glaubt, daß sich die Situation in mancher Hinsicht verbessert
hat, da die Industrie mehr und mehr an neuartigen Produktionen interessiert
ist, die ihr Image auf dem Markt bestätigen -- diese potentiellen Sponsoren
sind jedoch noch nicht weit genug verbreitet. |

Keith Brown |
| Obwohl die meisten Künstler
eher Benutzer als Produzenten der von ihnen verwendeten Technologie sind,
nehmen sie doch entscheidenden Einfluß auf ihre Evolution. Die Entwicklung
neuer Hard- und Software ist nicht nur eine Frage der praktischen Ausführung
und der Programmierarbeit -- der Prozeß der Konzeption und eine auf
neue Ziele ausgerichtete Anwendung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. |

Derrick Woodham |
Dan
Collins meint, daß er als Ko-Direktor eines interdisziplinären
Labors zumindestens einen "Hauch von Einfluß" auf die Projekte hat,
die dort bearbeitet werden. Sein Beitrag mag zwar oft eher konzeptionell
und ästhetisch als technologisch sein, aber er versteht sich als Teil
eines Prozeßes. Seinen entscheidensten Beitrag zur "Technologie" sieht
er in der Koordinierung von Personal und Maschinenpark, einer Mischung,
die bisher noch nicht in einem Raum erprobt worden ist. |
|
Meine Beteiligung an der Entwicklung digitaler Werkzeuge ist mit der
eines Bildhauer an der Entwicklung seines Meißels oder eines
Piloten an der seines Düsenjägers vergleichbar. Ich fliege
diese Maschinen außergewöhnlich gut, aber ich mache mir
nur selten die Hände an den Turbinen schmutzig. - Robert
Michael Smith
|
| Robert
Michael Smith erklärt, daß er nicht viel an der Technologie
selbst gearbeitet, sich aber bereit erklärt hat, den Alpha-Test eines
3D-Eingabegerätes durchzuführen -- das dazu gedacht ist, manuelles
Modellieren mit Lehm nach der Vorlage von im Computer erstellten Gitternetzmodellen
zu simulieren -- und auch gelegentlich die Beta-Version von Software getestet
hat. Seine Arbeit an dem CD-ROM-Spiel "Millennium Auction" (1993) war zur
damaligen Zeit bahnbrechend für die Einführung von auf niedrigen
Polygonenzahlen aufgebauten virtuellen 3D-Schauspielern und ästhetisch
glaubwürdigen Sets. |

Michael Rees |

Robert Michael Smith |
Michael
Rees, der schon mit einem Software-Hersteller zusammengearbeitet
hat, um seine Ideen in das Produkt der Firma zu implementieren, versucht,
seinen Beitrag zu technologischen Entwicklungen zu leisten, indem er sich
als Lobbyist betätigt -- insbesondere für die Verwendung von Farbe
im Rapid Prototyping. Er hat zahlreiche Beiträge veröffentlicht
und Vorträge zum Thema gehalten, das mittlerweile zu einer wichtigeren
Frage in Rapid-Prototyping-Kreisen geworden ist. |
| Die Implementierung von Ideen zu
technologischen Neuerungen würde es in der Regel erforderlich machen,
daß die Künstler ihre Arbeit zurückstellen und sich der
Technologieseite verschreiben, was die meisten von ihnen nicht wollen. Keith
Brown zum Beispiel ist der Meinung, daß es für ihn ausreichend
ist, die Probleme der Technologie zu verstehen. Er hat sowohl in Hardware
als auch Software einige ungelöste Fragen entdeckt und aufgeworfen,
deren Lösung sich nun Ingenieure widmen. |

Michael Rees |
Kunst und Technologie hatten schon
immer ein dialektisches Verhältnis und, wie Christian
Lavigne es ausdrückt, erfordert die Produktivität ihrer
Beziehung idealerweise sowohl gleiche Geldmittel für künstlerische
und wissenschaftliche/industrielle Forschung als auch einen kontinuierlichen
Austausch zwischen den beiden Bereichen. Das Verständnis der Technik
und der Herstellungsmittel ist ein wichtiger Faktor in diesem Prozeß.
Lavigne zitiert Picasso, der, als er eine afrikanische Statuette betrachtete,
erklärte: "Ich weiß nicht, was sie ausdrücken will, aber
ich weiß, wie sie es ausdrücken will". |
|
  
|
|
Home
|
About ISC |
ISC Conferences |
Sculpture Magazine
Portfolio |
Exhibitions
| Libraries
|
Opportunities
| Discussion
Forum
|
|